Arbeitskreis Regie: Ulrike Laude sprach mit Johannes Schmid, der den Charakter jedes Musicals in eine künstlerische Form bringt.

U.L: Sagen Sie mal Herr Schmid, MusicAll-Time in Weil der Stadt – ein ehrgeiziges Projekt für jemanden, der eigentlich Musicals hasst....Was ist das Besondere an der Produktion bei uns?

Johannes Schmid:

Na ja, dass es nicht nur ein Musical, sondern gleich vier sind, d.h. vierfacher Hass. Wobei Hass eigentlich der falsche Ausdruck ist. Ich hab den größten Teil meines Lebens Musicals sehr sehr gern gehabt, habe aber mittlerweile Musicals viel zu oft gesehen und leider auch viel zu oft schlecht gesehen, wodurch eine gewisse Abneigung entstanden ist. Und wenn ich dann selber Musicals inszeniere, versuch ich, was mich ansonsten stört, besser zu machen, so dass diese Freude, die ich früher hatte, wieder mit rein kommt.

U.L: Müller und Schmid – was dürfen wir denn von dieser Kombination erwarten?

Johannes Schmid:

Spaß! (lacht) Ich kenne Herrn Müller ja jetzt seit doch gut 20 Jahren und wir haben schon viele Projekte miteinander gemacht. Früher ich eher als Darsteller, und, wie er immer meinte, das „Bubele". Ja, und wir haben den gleichen Ansatz wie wir mit den Menschen arbeiten, mit dem was da ist: Nicht uns in irgendwelche künstlerischen Ideen versteifen, sondern einfach Kunst machen, die Spaß macht, für den Menschen – mit den Menschen.

U.L: Und ihr seid euch natürlich immer einig!☺

Johannes Schmid:

Leider meistens ja! – Also es gibt pro Produktion immer so zwei Streitfragen, die bleiben auch im Regelfall bis zum Tag der Premiere – wenn wir Glück haben nur bis zur Generalprobe. Aber letzten Endes finden wir auch da eine Einigung. Es sind halt nur verschiedene Ansätze und Prioritäten– wirkliche Differenzen kann ich das jetzt eigentlich nicht nennen.

U.L: Und dann sind da ja noch deine beiden Assistentinnen Erika und Ursula .....was machen die beiden?

Johannes Schmid:

Leiden! Nee, ich bin immer ein bisschen verwirrt auf der Probe, bzw. wie es sich für 'nen Schwaben gehört, a bissl maulfaul. Und sie wissen genau was ich möchte und organisieren alles im Hintergrund.
Sie führen das Probenbuch, d.h. die Ansagen die ich während der Probe mache und mit den Schauspielern bespreche werden notiert und bei den nächsten Proben wieder korrigiert und dann pointieren und organisieren sie ja noch alles was künstlerisch drumherum nötig ist von den Kontakten, den Requisiten, den Terminierungen und was weiß ich noch alles...

U.L: Heute war ja das Casting für Dschungeltiere ............

Johannes Schmid:

Ja! Leider sind wir nicht bei DSDS, da melden sich viel mehr Leute als man braucht! Wir sind jetzt erst in dem Bereich, wir müssen die Tiere nehmen, die da sind, so ein bisschen à la Arche Noah... Aber ich denke, dass wir mit den Tieren, die wir bis jetzt angesammelt haben trotzdem und vielleicht gerade deswegen eine schöne Lösung finden werden und allen viel Freude machen.

U.L: Worauf kommt es bei den verschiedenen Musicals an?

Johannes Schmid:

Es kommt darauf an, dass man den Charakter des jeweiligen Musicals erkennt oder mitnimmt und das Ganze in eine künstlerische Form bringt. Deswegen wird ja auch jedes Musical anders inszeniert und auch mit dem Chor wird musikalisch anders gearbeitet. Es sind verschiedene Musikstile, verschiedene Inspirationen. My Fair Lady ist einfach etwas ganz anderes als König der Löwen und das muss dabei heraus geklärt werden.

U.L: Gibt es ein richtiges Drehbuch oder ist der Plan nur in deinem Kopf?

Johannes Schmid:

Beides! Nee, also manche Dinge, die nicht aufgeschrieben werden müssen, werden auch nicht aufgeschrieben.
Aber es gibt ein Drehbuch, einen Ablauf, sogar mehrere. Es gibt rein formelle Sachen, die musikalische Abläufe regeln, dann welche, die auf den technischen Aspekt gehen, dann gibt es einen Ablauf, der sich rein auf die Struktur der Musicals konzentriert und dann gibt es eine Komplettmoderation, die quasi das Skelett, das ich gerade beschrieben habe, unter sich hat und nur noch das nach außen zeigt, was der Zuschauer am Ende sehen wird.

U.L: Und wie klappt es mit den Darstellern – das sind ja alles Laien-Schauspieler?

Johannes Schmid:

Wenn sie da sind, klappt es eigentlich ganz gut!☺ Nein, es ist halt Weihnachtszeit und da kommt dann der verwöhnte Regisseur der sagt, wie kann einer etwas anderes zu tun haben außer zu proben, aber ansonsten kappt es eigentlich sehr schön.
Sie sind, was ich auch selber hatte, als ich noch Darsteller war, sehr schreibfaul, aber –ja- damit rechnet man, das gehört dazu.

U.L.: Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview!