Festliche Matinee

Im Daimler-Stammwerk in Untertürkheim werden seit fast 110 Jahren nicht nur Fahrzeuge der Premium-Klasse hergestellt und weltweit verkauft; seit 50 Jahren gibt es dort auch den 1963 ins Leben gerufenen Daimler-Meister-Chor.

Von je her an exaktes und qualitätsbewusstes Arbeiten im Team gewohnt, fiel es den damaligen Gründervätern nicht sonderlich schwer, auch ihre musischen Begabungen unter Beweis zu stellen und sangesbegeisterte Meisterkollegen zu finden und zum Mitsingen im Chor zu motivieren. Noch heute gehören dem Chor drei aktive Sänger der ersten Stunde an. Diese sind: Gerhard Mauz - Gerhard Schlichenmaier und Dietmar Dinkelacker.

Wenn der Meister-Chor dieser Tage nun mit einer feierlichen Gesangs-Matinee sein 50-jähriges Bestehen feiern konnte, so spricht das durchaus für die Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit mit der die Daimler-Meister bisher zu Werke gegangen sind und dies auch dank ihres weitsichtigen Arbeitgebers mit ungebrochener Begeisterung immer noch tun.

Von ihrem umtriebigen Chorleiter und hervorragenden Pianisten Kai Müller in monatelanger akribischer Probenarbeit bestens vorbereitet, präsentierten sich die Meistersänger ihrem Matinee-Publikum in der nahezu vollbesetzten Untertürkheimer Sängerhalle. 

Schon mit dem stimmungsvollen Eröffnungschor "My Lord, What a Morning" gelang es den 24 Sängern, in Begleitung des Bariton-Solisten Johannes Mooser und der Flügelbegleitung ihres Chorleiters,  ihr gespannt lauschendes Publikum in eine fast andächtige Stimmung zu versetzen. Mit dem majestätisch anmutenden "Jerusalem" und dem folgenden "Halleluja, sing a Song"  beendete der Chor mit großer Bravour seinen verheißungsvollen Konzertauftakt mit drei geistlichen Chören.

Wolfgang Schall, dem Sprecher des Chores, oblag die Begrüßung der zahlreichen Gäste und die kurze aber treffliche Einstimmung auf die weiteren Vortragsfolgen.

Entsprechend seines durchaus beachtlichen chorischen Leistungsvermögens in absolut stimmigem Kontext zu einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Chorauswahl präsentierte der Chor nun Mit dem "Türmerlied", der "Feldeinsamkeit" und der "Landerkennung" drei klassische Chöre. Auch diese von zeitloser Eleganz und beständiger Ausdrucksstärke zeugenden Chorvertonungen  fanden großen Gefallen beim  anerkennend applaudierenden Publikum.

Der nun im italienischen Originaltext sehr ausdrucksstark vorgetragene Chorklassiker "La Montanara" begeisterte sichtlich die Zuhörer - viele Lippen sah man sich zu dezentem Mitsingen bewegen. Kein Wunder; welcher Freund des klassischen Chorgesangs  kann dieser Melodie  schon wiederstehen.

Eine Chorgattung gänzlich anderer Art präsentierte der Chor nun mit "Marina", einem kroatischen Tanzlied, und "Cekolina", drei tschechischen Tanzliedern. Diese vor Temperament, Rhythmik und Begeisterung nur so sprühenden Chorvorträge verfehlten ihre mitreißende Wirkung auch beim Publikum nicht - Applaus pur.

Mit den aus dem Süden der USA zu Beginn des vorigen Jahrhunderts stammenden drei Barbershop-Melodien "Tell Me Why" -  "Aura Lee" und "Old Mac Donald had a Band"  glückte dem Chor ein weiterer Beweis seiner  Flexibilität und Vielseitigkeit.

Einen abermaligen musikalischer Spagat meisterten die Sänger nun ebenso gekonnt wie überzeugend mit ihrer charmanten Aufforderung an die Zuhörer mit "Schenk mir noch eine Stunde", nach dem bekannten Udo Jürgens-Titel.

Am Ende der offiziellen Vortragsfolge konnten sich die wackeren Sänger mit dem Titel "Männer mag man eben" eine verschmitzte und dezente Suggestion in Richtung ihrer zahlreichen Zuhörerinnen nicht verkneifen.  Der begeisterte Applaus schien die musikalisch sehr geschickt verpackte Eitelkeit der Meistersänger durchaus zu bestätigen. 

Um die von den sehr lange und rhythmisch applaudierenden Zuhörern geforderte Zugabe ließen sich die Sänger nicht lange bitten. Mit dem emotional vorgetragenen "Bajazzo" beendete schließlich der Jubiläumschor den ersten Teil einer nicht alltäglichen, aber der Besonderheit des Anlasses absolut angemessenen Jubiläumsveranstaltung.

Nach einer wohlverdienten Mittagspause für Akteure und Besucher  oblag es der ChorArt Ludwigsburg, ebenfalls einem Chor in der Chorgemeinschaft Kai Müller, die Besucher mit neuzeitlichen englischsprachigen Songs bei bester Laune zu halten.

Mit einem  weiteren, wenn auch instrumentalen  Highligth präsentierte sich zu guter Letzt die  nahezu professionell  agierende Daimler-Big Band mit ihren fetzigen Rhythmen den begeisterten Zuhörern.

Eine absolut stimmige und bestens gelungene Jubiläumsveranstaltung ging zu Ende, strahlende Gesichter allenthalben. Die Daimler-Meistersänger hatten ihre chormusikalische Reifeprüfung abgelegt und nach dem Urteil der Matinee-Gäste glänzend bestanden und dabei mit Sicherheit neue Fans dazugewonnen.

 

Peter Harrer, Stuttgart, den 11.12.2013